Samstagsplausch 14 / 2017

Die vergangenen beiden Wochen war vollgestopft mit Terminen und Aktionen, mit teils wegweisenden Entscheidungen, mit Frust und Freude, mit Licht und Schatten. Und sie waren anstrengend. Sie waren pures Leben.
Das Licht:
Der Sohn hat einen Job gefunden. Ein halbes Jahr hat die Suche gedauert, unzählige Vorstellungsgespräche haben geübt, er war immer dicht dran – und jetzt ist er die Nummer 1. Weil es mit seiner Ausbildung und seiner Erfahrung tatsächlich für das Unternehmen am Besten passt. Ich freue mich total für ihn. Endlich kann er zeigen, was er gelernt hat, hat einen Einstieg ins Berufsleben. Er kann zurück in eine eigene Wohnung, kann sich ein Auto leisten, und es sich in seinem neuen Leben einrichten. Dafür geht er 400 km weit weg von seinem Zuhause, zurück in die Region, aus der wir damals gekommen sind, bevor wir hier in den Norden gezogen sind. Und weil auch die Tochter plant, in diesen Teil unseres Landes zu ziehen, wären wenigstens die Geschwister füreinander in schnell erreichbarer Nähe.
Natürlich sind unsere Tage jetzt gut gefüllt. Ein Auto muss gesucht, zur Probe gefahren und gekauft werden. Eine Wohnung muss gesucht und später vielleicht renoviert werden, die Umzugsplanung steht an. Es müssen Dinge eingesammelt und geordnet werden, Arzttermine müssen vereinbart werden, Kleidung muss angeschafft werden – und keiner von uns hat Urlaub. In gut sechs Wochen ist er dann weg. Mein Herz sieht das durchaus mit etwas gemischten Gefühlen, Loslassen muss ich immer wieder neu mit mir selber verhandeln, auch wenn es da tatsächlich gar nichts zu verhandeln gibt. Man weiß als Mutter schließlich, dass es so kommt – und ich habe es auch nicht anders gemacht.

Der Schatten
Mitte Februar bin ich auf dem Heimweg von der Arbeit, noch im Dienstgebäude im Treppenhaus abgerutscht. Dabei habe ich mir das Knie verdreht. Und lautete die erste Diagnose vom Unfallarzt noch, es sei nur verstaucht und in ein paar Tagen wieder alles gut, ist es jetzt so viele Wochen später deutlich schlimmer geworden. Die zweite Untersuchung beim Unfallarzt bestätigte den Verdacht meines Hausarztes, dass vermutlich der Meniskus kaputt ist und das Knie operiert werden muss. Gestern war ich im MRT, die schnell runtergeratterten und unverständlichen Erläuterungen des Arztes dort brachten für mich keine Erkenntnisse, Rückfragen waren nicht erlaubt, „das bespricht der behandelnde Arzt mit Ihnen“ und nach 30 Sekunden im Sprechzimmer war ich wieder draußen. So schnell kann das gehen.
Die Aussicht auf eine Knie-OP macht mir Panik, weil ich noch zu genau weiß, dass mich eine ganz ähnliche Sache vor vier Jahren 13 Monate lang fast bewegungsunfähig auf mein Sofa katapultiert hat. Ich möchte das nicht. Vor allem auch deswegen nicht, weil ich das, solange das als Arbeitsunfall gilt, ja nicht mit den Ärzten meines Vertrauens verhandeln kann. Die Ärzte werden mir dann von der Unfallkasse vorgegeben. Das ist alles irgendwie doof. Und so beiße ich die Zähne zusammen, halte die teilweise echt heftigen Schmerzen irgendwie aus und versuche, so etwas wie Alltag zu leben. Aber es macht mich mürbe.

Strick- und lesetechnisch habe ich nicht wirklich etwas geschafft. Liegt mit Sicherheit daran, dass ich echt viel unterwegs war und abends sehr müde auf dem Sofa angekommen bin. Außerdem bin ich offensichtlich auch nörgelig: hier liegen eine Menge angestrickter Dinge, aber ich bin entweder mit dem  Material nicht glücklich oder mit den Farben unzufrieden oder mit beidem. Beim Hygge-CAL fehlt es einfach an Zeit und vor allem Ruhe. Die derzeit viel reisende Tochter hat ihre Wellensittiche hier geparkt und zusammen mit unseren Beiden (die eigentlich mal dem Sohn gehört haben), ist hier echt viel Radau und Flugbetrieb. Wenn man dann ein Anleitungsvideo gucken will und nichts hören kann, und zusätzlich ständig jemand reinkommt und irgendwas besprechen muss, dann schaffe ich das einfach nicht. So geht es auch da nicht voran. Schade eigentlich. Das angefangene Buch ist auch nicht sehr spannend und spricht mich gar nicht an, das zweite Buch, zu dem ich aus Verzweifelung schon gegriffen habe, packt mich auch noch nicht. Ich sag ja: nörgelig. Aber es wird besser. Irgendwann. Vielleicht. Ganz sicher wird es das, es muss einfach.

So, nun schaue ich schnell, was bei Euch so los war und dann muss ich in die Küche.  Zwei neue Gerichte will ich an diesem Wochenende ausprobieren und außerdem ein Brot backen. Habt ein schönes Wochenende und freut Euch auf die kommenden Ostertage.

 

10 Antworten auf „Samstagsplausch 14 / 2017“

  1. Herzlichen Glückwunsch an den Sohn! Und gute Besserung für Dich! So eine Knie-OP ist sicher kein Zuckerschlecken, aber wenn dann Schmerzfreiheit in Sicht ist, ist sie vielleicht das kleinere Übel. Und es kann ja auch besser laufen als vor vier Jahren (aber ich hätte nach der Erfahrung die gleichen Bedenken wie Du). Ich wünsche Dir, dass Du bald etwas Ruhe findest.

    Übrigens stricke ich gerade Maiglöckchensocken nach Deiner Anleitung.

    1. Vielen Dank, ich habe das weitergegeben und der Sohn freut sich über die vielen Glückwünsche.
      Du strickst meine Maiglöckchen-Socken? Das ist ja toll. Dann hab viel Vergnügen dabei.
      Schöne Ostertage auch für Dich und schöne Grüße von Bremen nach Hamburg
      Kristin

  2. Wenn die Kinder ziehen… Am Anfang eine Umstellung und die Arbeit, die damit verbunden ist, schreckt. Aber irgendwann,…
    Darum vielleicht auch dein Genörgel.
    Lass dich nicht aus der Ruhe bringen.
    Für dein Knie hoffe ich, dass es in die richtigen Arztfinger kommt.
    Liebe Grüße
    Andrea

    1. Eigentlich sind die Kinder ja schon vor ein paar Jahren ausgezogen – fürs Studium. Der Sohn hat nur in der Nähe seine Masterarbeit geschrieben und weil er nur sporadisch noch an die Uni musste, war es sinnvoller, dass er wieder zu Hause einzieht, statt Miete für ein leerstehendes Zimmer zu bezahlen. Nun wird er wohl endgültig ausziehen. Aber das ist okay. Und die Sache mit dem Knie? Nun ja, es war klar, dass es irgendwann kommen würde, ich hoffe trotzdem, dass ich es noch eine Weile rauszögern kann. Nächste Woche weiß ich mehr.
      Hab schöne Ostertage.
      Liebe Grüße
      Kristin

  3. Herzlichen Glückwunsch deinem Sohn. Das ist wunderbar. Dir wünsche ich, dass sich dein Knie erholen kann und du Ruhe und Muse findest, um das zu tun, was du gerne tun würdest.

  4. Na Du hast ja auch jeden Grund nörgelig zu sein. Aussicht auf die OP und der Abschied von den Kindern ist ja auch nicht ohne. Und dann noch Schmerzen. Ich wünsche Dir ganz schnelle und gute Besserung. Dir ein schönes Wochenende und herzlichen Gruß Sylvia

  5. Wird schon. Schön einen Schritt nach dem anderen nehmen. Und erst mal das Wochenende geniessen. Liebe Grüsse von Regula

    1. Ja, anders geht es ja ohnehin nicht. Ich versuche mich in Optimismus.
      Hab ein schönes Wochenende und einen guten Wochenstart.
      Schöne Grüße
      Kristin

  6. Nun ja, mit der Aussicht auf eine Op kann nan auch schon mal nörgelig werden, besonders wenn man viel zu tun und keine Zeit für sich hat.
    Vielleicht bringt das Wochenende ja die gewünschte Muse.
    LG Jennifer

    1. Danke für Dein Verständnis. Ich versuche, einen Gang runterzuschalten, aber irgendwie fällt mir das schwer. Glücklicherweise liegen ja jetzt einige lange Wochenenden vor uns, Urlaub ist erst Ende Juli wieder in Sicht. Das wird schon.
      Hab ein wunderbares Wochenende und starte gut in die neue Woche.
      Schöne Grüße
      Kristin

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