Lazy Sunday Afternoon

Seltsamerweise geisterte mir den ganzen Nachmittag dieser Song durch den Kopf. Uralt, genauer von 1968, und schon ewig nicht mehr gehört. Wenigstens nicht bewusst. Aber es war halt sehr passend, denn dieser Sunday Afternoon war tatsächlich sehr lazy, ruhig, ungestört, entspannend. Und ich kann das sehr genießen, ist es doch viel zu selten so.

Um mich auch „lazy“ zu beschäftigen, hatte ich mir einige Anna-Zeitschriften geschnappt. Die sind auch überwiegend schon sehr alt – allerdings nicht ganz so alt wie der Song. Fast 20 Jahre lang hatte ich die Hefte abonniert und fast alle sind noch davon erhalten.

Das Heft hier auf dem Bild ist von März 2001. Eigentlich hatte ich die Hefte geholt, um sie durchzusehen und um endlich mal einige davon weg zu tun. Wie auch immer: Verschenken, Verkaufen, in der blauen Altpapiertonne versenken. Dann aber blätterte ich, las  hier und da ein paar Artikel und ein paar Anleitungen und entschied: die Hefte müssen bleiben.

Lange Zeit liebte ich die Zeitschrift ANNA. Sie enthielt immer viele schöne Anleitungen, vor allem auch zu besonderen Themen: Hardanger, Schwälmer Stickerei, Hohlsaum, Klöppeln, Occhi – Themen, zu denen man sonst so gut wie keine aktuellen Muster oder auch nur Informationen fand. Das war ja noch in der Vor-Internet-Zeit. Die Anleitungen waren von hohem Niveau und nicht alle ganz einfach, eben auch  mal was für die, die mehr von jenen Dingen machten, als gelegentlich mal ein paar Socken oder einen Pullover stricken.
Im März 1974 erschien das erste Heft und hieß damals noch „Burda – Spaß an Handarbeiten“. Erst 1980 erhielt die Zeitschrift den Namen „Anna“. Alle Hefte waren mit Schnittmusterbogen und Bügelmuster und einem Lehrgang zu einem speziellen Thema. Irgendwann gegen Mitte oder Ende der Achtziger Jahre begann ich mein Abo, hatte da aber schon einige ältere Hefte in meinem Regal stehen.
2007 wurde die Zeitschrift verkauft und erschien nun unter gleichem Namen, aber in einem anderen Verlag. Obwohl die Aufmachung gleich blieb, wurden für meine Begriffe die Anleitungen immer beliebiger und austauschbarer – langweiliger. Ich kündigte schweren Herzens das Abo, weil ich außer schnell durchblättern, wenn das Heft neu war, kaum mehr etwas damit machte. Bis heute schaue ich mir aber jedes Heft im Zeitschriftenhandel an und entscheide dann, ob ich es kaufe.
Auch wenn heute viel Modelle in den alten Heften nicht mehr so wirklich zeitgemäß sind, vor allem die Strickmodelle, und wenn einige Handarbeitstechniken in der Versenkung verschwunden sind (ich denke da an Makramee oder Window Color), finde ich noch immer viele Anregungen in den Heften. Deswegen wandern sie auch wieder hoch auf den Stapel auf dem Dachboden. Aber erst, wenn ich mir alle Hefte angeschaut habe.