Ich bin ein UFO, hol mich hier raus

Unter diesem witzigen Hashtag riefen bei Instagram Rebekka von Queens-Handmade und Alice von Frau Brezelbutter zu einem gemeinsamen Abbau der UFOs, der UnFertigen Objekte auf. Gegenseitig motiviert man sich ja doch irgendwie besser. Da ich das ohnehin auf meiner To-Do-Liste für die Zeit zu Hause stehen hatte, habe ich kurzentschlossen „Hier“ gerufen und werde da jetzt mitstricken.

Das ist der Blick in meinen zusammengestellten UFO-Korb. Viel könnt Ihr nicht erkennen, aber ich verrate Euch, dass sich darin einige angefangene Socken verstecken (in sehr unterschiedlichen Fertigungsstadien), ein angefangener Handschuh, der liegen blieb, weil ich mir nicht sicher war, ob die Größe passt und oben drauf liegt mein ältestes UFO. Es ist das „Estonian Potpourri„, dass ich schon vor Jahren angefangen habe. Dann blieb es liegen, bis ich es im vergangenen Jahr wieder in die Hand genommen habe und strickte, bis mir auffiel, dass eine Seite der Anleitung fehlt. Da ich da auch gerade in einer Reha-Klinik war und nicht so schnell an die Seite kommen konnte, legte ich es wieder beiseite. Die fehlende Seite habe ich dann Zuhause zwar zügig ausgedruckt, aber als ich es jetzt vor einigen Wochen wieder in die Hand nahm, merkte ich, dass ich die falsche Seite ausgedruckt hatte. Die tatsächliche Anleitungsseite fehlte mir komplett. Es dauerte dann noch mal einige Zeit, bis ich mich aufraffen konnte, die Designerin anzuschreiben, die mir die fehlenden Charts umgehend geschickt hat. Nun soll es also auch hier endlich weitergehen.
Wenn ich den Korb leer gestrickt habe, liegen noch UFOs auf dem Dachboden. Dabei ist u.a. ein angefangener Adventskalenderschal. Ich habe ja alle Entwürfe zwei Mal gestrickt, einmal habe ich Muster ausprobiert und dabei die Anleitung mitgeschrieben. Den zweiten Schal habe ich dann als Kontrolle der englischen Übersetzung gestrickt. Meist hat das gut geklappt, aber ein Schal blieb unfertig liegen, weil mir die Wolle nicht gefiel. Da werde ich erst noch mal mit den Nadeln experimentieren, bevor ich entscheide, ob er fertig wird oder nicht.
Es finden sich auch noch zwei Entwürfe von Adventskalenderschals bei den UFOs. Vermutlich werde ich sie noch fertigstellen, ob ich sie aber dann auch tatsächlich veröffentlichen werde, weiß ich nicht genau. So ein bisschen ist da die Luft raus, finde ich. Einer davon unterscheidet sich auch von der Strickweise her grundlegend von allen vorherigen Schals, ich bin mir noch nicht sicher, ob das gut ist oder nicht.

So sehen also meine UFO-Pläne derzeit aus. Um dem ganzen ein wenig Struktur zu geben, habe ich mich entschieden, jeweils die Woche als UFO-Woche zu bezeichnen, in der der neue Monat beginnt. Für den August würde das heißen, dass ich morgen mit dem UFO-Abbau beginne.

Ich halte Euch hier über meine Erfolge auf dem Laufenden. Vielleicht mag sich ja noch jemand anschließen. Nur gemeinsam sind wir stark – oder so.

Tue Gutes und rede darüber

Meine Freundin Hella unterstützt seit vielen Jahren den Weihnachtspäckchen-Konvoi, ist auch schon mitgefahren und in der Ukraine oder in anderen Ländern unterwegs gewesen, wenn die Päckchen verteilt wurden. Sie hat sich ein ganzes Netzwerk aufgebaut und verteilt Wollspenden an eifrige Strickerinnen, die Pullover, Pullunder, Ponchos, Puppenkleidchen, Schals und viele andere Dinge stricken.
In diesem Jahr organisiere ich das jährliche Spinntreffen und habe die TeilnehmerInnen gebeten, einen „Schal für Hella“ zu stricken und im Oktober mitzubringen. Meiner ist in dieser Woche fertig geworden und ich hatte letztlich dann so viel Spaß dabei, dass ich gleich den nächsten Schal angeschlagen habe. Das Spinntreffen ist erst im Oktober und einen oder zwei weitere Schals kriege ich bestimmt noch rechtzeitig fertig.

Die Farben des rundgestrickten Schals stimmen nicht, das Licht war beim Foto schon zu schlecht. Das Rot ist eher pink und leuchtet fast neonfarben.

Schuhkartons für diese Aktion haben vor Jahren meine Kinder schon mitgefüllt. Es ist aber noch einmal eine völlig andere Sache, wenn man jemanden kennt, der bei diesen Fahrten dabei ist und uns über Whatsapp mit Fotos und Videos und sehr persönlichen Eindrücken auf dem Laufenden hält.  Uns geht es hier in Deutschland so gut und es ist nur richtig, wenn wir von unserem Überfluss ein wenig an Kinder abgeben, die zum Teil noch nie in ihrem Leben ein Geschenk bekommen haben, die kein eigenes Spielzeug besitzen und sich auch über Duschgel und Zahnbürsten freuen können.
Die Schals sind nicht mal so eben gestrickt, es dauert schon eine Weile. Aber man kann viele gute Gedanken einstricken und das glatt rechts Gestricksel in der Runde geht auch noch gut, wenn man müde ist.

Die Moorland-Decke

Schon seit Kindesbeinen an bin ich ein großer England-Fan. Als ich das erste Mal mit meinen Eltern nach England fuhr, sagte ich: „Jetzt bin ich zu Hause.“ Meine Eltern waren darüber natürlich ziemlich überrascht – aber dieses Gefühl hat sich bis heute gehalten. Ich fühle mich dort wirklich heimisch, mehr als mir das hier in Deutschland glückt. Nach meiner Schulzeit und der anschließenden Ausbildung habe ich versucht, aus Deutschland wegzugehen. Aber damals brauchte man für die Arbeit im Ausland, auch im EU-Ausland, noch eine Arbeitserlaubnis. Und die bekam man nur, wenn der Arbeitgeber wirklich schlüssig begründen konnte, warum ein Einheimischer die Arbeit nicht auch übernehmen kann. Ein paar Mal war ich kurz davor, bekam dann aber die Arbeitserlaubnis nicht oder war unter den Bewerbern „nur“ die Nummer 2. So blieb ich halt hier, aber den Traum, irgendwann in England oder Schottland zu leben, habe ich nie aufgegeben – allerdings ist er inzwischen ganz tief verborgen, ich denke, meine gesundheitliche Verfassung wird ein Leben in einem anderen Land, unter anderen Bedingungen schwierig machen. Hauptsächlich, weil mir inzwischen der Mut zu so einem Schritt fehlt. Und wer weiß, wohin der Weg von Großbritannien nach dem Brexit geht.

Gut, Schluss damit, mit dem eigentlichen Post hat das hier nämlich gar nichts zu tun. Die Moorland-Decke soll doch hier im Mittelpunkt stehen. Als ich von dem Crochet-Along von Lucy von Attic24 las, war mir völlig klar, dass ich den unbedingt mithäkeln muss. Lucys Idee: Eine Häkeldecke nach einem Foto. Lucy lebt in England, in Yorkshire, irgendwo in der Nähe vom Leeds and Liverpool Canal. Im hügeligen Yorkshire gibt es viel Heide und ein Foto von diesen Heide-Hügeln nahm Lucy als Vorbild für die Decke. Als Material wählte sie ein Kunstfasergarn in 15 verschiedenen Farbtönen in Braun, Grün, Lila und Blau. Zu bestellen als Materialpaket. Das habe ich gemacht, ohne lange nachzudenken. Und war da das erste Mal sehr überrascht, dass eine Lieferung aus England schneller bei mir zu Hause war, als so manche Bestellung, die innerhalb von Deutschland unterwegs war. Das Garn war übrigens vor der Versandbenachrichtigung bei mir zu Hause.
Anfang Januar ging es dann los. Gehäkelt wurden jeweils 40 Reihen pro Clue, je 2 Reihen in einer Farbe und in einem Wellenmuster. Zu Anfang musste man ganz schön aufpassen, damit es auch Wellen blieben, aber es wurde dann schnell einfacher. Nachdem ich erst geglaubt habe, dass ließe sich zügig weghäkeln, wurde ich schnell eines besseren belehrt. Das  zog sich ganz schön und viel anderes habe ich in den Wochen, in denen der Crochet-Along lief, nicht geschafft. Dafür war ich dann aber am Wochenende nach dem letzten Clue mit der Decke fertig. Und stolz, weil sie einfach schön geworden ist.

Hier habe ich die Mrs. Beeton für die Decke zweckentfremdet. Sie war aber nicht böse.

Die Decke liegt jetzt neben mir auf dem Sofa und ich freue mich jeden Tag daran. Sie ist so richtig schön „hyggelig“, wie die Dänen sagen würden – aber das ist eine andere Geschichte und die soll ein anderes Mal erzählt werden.