Verstrickt und zugenäht: Alias Grace

Alias Grace ist ein Roman von Margret Atwood, der auf der wahren Geschichte von der kanadischen Dienstmagd Grace Marks beruht. Mir geht es in diesem Beitrag aber hauptsächlich um die Verfilmung des Buches, die als Miniserie derzeit bei Netflix im Angebot ist.

Trailer von Netflix

Grace Marks ist 15, als sie 1843 beschuldigt wird, gemeinsam mit James McDermott, einem weiteren Angestellten des Haushalts, ihren Dienstherren Thomas Kinnear und dessen Geliebte Nancy Montgomery umgebracht zu haben. In einer Gerichtsverhandlung werden beide zum Tode verurteilt, das Todesurteil von Grace wird aber später in eine lebenslange Freiheitsstrafe umgewandelt, die sie im Frauengefängnis und teilweise in psychiatrischen Einrichtungen verbringt. James McDermott wird gehängt. Zweifelsfrei konnte nie geklärt werden, inwieweit Grace an der Tat wirklich beteiligt war und so findet sich eine Gruppe von Unterstützern zusammen, die versuchen, eine Begnadigung für Grace zu erreichen. Soweit die Fakten, die auch überprüfbar sind. Und von Margret Atwood kommt noch folgendes dazu:
Ein junger Arzt wird 1859 beauftragt, durch psychologische Befragungen herauszufinden, ob Grace zu so einer Tat wirklich fähig ist. In Rückblenden wird die Geschichte der Dienstmagd erzählt, mal von ihr selber, mal von dem Psychologen. Das Ende und das tatsächliche Ausmaß der Tatbeteiligung von Grace bleiben aber schließlich offen.
Es wäre aber keine Romanverfilmung von einem Buch von Margret Atwood, wenn nicht auch die Frage über das Ausmaß der gesellschaftlichen Rahmenbedingungen in der Geschichte eine Rolle spielen würde. Es geht um Männer und Frauen, um  Unterdrückung und Gewalt, um weibliche Wut. Und um die Frage, ob die Lebensbedingungen nicht mit verantwortlich gemacht werden können, dass sich diese Wut gegen die gewalttätigen Unterdrücker wendet.

Schon gleich zu Anfang der Serie wird eine ganze Sequenz gezeigt, die diese Serie auch für handarbeitende Frauen interessant macht (und natürlich auch für interessierte Männer): Quilts spielen eine große Rolle in der Serie. Grace näht, während sie dem Psychologen ihre Geschichte erzählt. Mal flickt sie Spitzenkleider, meist aber näht sie an einem Quilt; diese sind in der amerikanischen Geschichte verbunden mit gesellschaftlicher Anerkennung und ein Statussymbol. Grace erklärt dem Arzt die Bedeutung der Quilts und ihrer Muster.  In der Originalausgabe des Romans sind den 15 Abschnitten jeweils Zeichnungen eines Quiltmusters und seiner Bedeutung vorangestellt.

Ganz einfach ist die 6-Folgen-Serie nicht zu ertragen: Gewalt, auch in Grace‘ Familie, Misshandlungen im Gefängnis und der psychiatrischen Einrichtung, Unterdrückung durch den Arbeitgeber sind deutlich darstellt. Auf der anderen Seite aber zeichnet sie ein gesellschaftliches Bild des patriarchalischen 19. Jahrhunderts, das sich belegen lässt. Und das Verhältnis zwischen dominanten Männern und unterdrückten Frauen ist auch heute gerade wieder beklemmend aktuell.

Übrigens: Margret Atwood bekam 2017 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

Verstrickt und zugenäht

Unter dem Motto „Verstrickt und zugenäht“ möchte ich Euch in loser Folge Bücher und Filme oder Serien vorstellen, in denen Handarbeiten eine Rolle spielen.  Manchmal ganz am Rande und unerwartet, manchmal gibt schon der Buchtitel einen kleinen Hinweis. Aber am liebsten mag ich es, wenn ich ganz plötzlich und ohne damit zu rechnen, auf verrückte Informationen stoße, dann ein wenig recherchiere und auf interessante Dinge stoße.  Und es sind oft auch schon ältere Bücher und Filme, die mir ins Auge fallen. Ich suche nicht speziell danach, meist finden diese Informationen mich. Ich mag gerne historische Romane, Krimis und Biographien, lese mich aber ansonsten auch gerne mal quer durch den Bücherdschungel.
Welche Bücher und Filme kennt Ihr, in denen Handarbeiten erwähnt werden?